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47. GuthsMuth-Rennsteiglauf - Mein erstes Mal :-)

Vorweg

Ich war dabei. Ich war nicht nur dabei, ich war mittendrin. Und es war wunderbar. :-)

Okay. Ich fühlte mich sehr schlecht vorbereitet. Denn nach dem HM in Berlin hatte ich fast 3 Wochen Laufpause wegen einer nicht ausbrechenden Erkältung. Dann sagte ich mir, wenn sie nicht will, soll sie abhauen und stieg wieder in die Laufklamotten. Eine sehr gute Entscheidung. Bis dato hatte ich nur einen einzigen Lauf über 25 Kilometern, einige 25er aus dem HM-Plan über den Winter. Kein Lauf über 30. Das fühlte sich mies an. Ein langer stand aber noch an und da entschied ich mich, zum Rennsteig zu fahren und auf der Original-Strecke zu laufen.

Schneeeinbruch, eisig kalt und der Nahverkehr so eine Katastrophe, dass ich mich dann entschied vom Großen Dreiherrenstein (33,8km) zum Eselsberg (18,3 km) zu laufen und wieder zurück. Wendestrecke mit Start und Ziel am Auto. Mit einem Mini-Verläuferle kam ich so auf knapp 33 Kilometer und war dann sehr, sehr demütig.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich das Streckenprofil noch nicht so gut studiert und wusste daher nicht, dass ich mir die anstrengendste Passage rausgesucht hatte. Andererseits war das super, weil Demut gut ist, wenn du Rennsteigläuferin werden möchtest.

Freitag

Startnummer holte ich bereits am Freitag ab. Ich ließ mir auch die Kloßparty nicht entgehen und habe in Restaurants schon sehr viel schlechtere „Thüringer Klöße“ gegessen. Das Rennsteiglied zum Einstimmen 18 Uhr war der Stimmungsmacher schlechthin, ich konnte kaum begreifen, dass es wahr werden würde. All die Jahre und jetzt war ich in der Turnhalle bei der Kloßparty. Irre. Wahnsinn. Glück. Die Partyband lag mir dann eher nicht, die üblichen Ohrwürmer sind mir zu hart.

Also ab zum Freundschaftsbesuch, wo ich auch schlafen würde. Ich war sicher kein guter Gast, total aufgeregt, dabei haben meine Gastgeber um Radiesi trauern müssen. Radiesi war eine Zuckerschnute von einem Sheltie-Meerschweinchen und viel zu jung, um schon zu gehen. Aber so war es nun einmal.

Vielen Dank an “unsere Thüringer”, ich habe gut gelegen, wenn ich auch schon seit einer Woche zu aufgeregt für guten Schlaf war. :-)

Lauftag

Die Ordner ordneten an, dass ich relativ weit oben aussteigen solle, kurz nach 8 war es schon recht voll. Im Startbereich angekommen, dachte ich bei der Dixi-Schlange, okay, stelle ich mich schon mal an. Es hat 13 Minuten gedauert, bis ich wieder herumschlendern konnte. Fand ich okay. Ich sog die Stimmung auf, die Sonne kam herum, also warme Klamotten in den Kleidersack und abgegeben. War auch gut so, denn als Ersttäterin war mir entgangen, dass die Postautos bereits 8:45 Uhr abdüsen, klar, danach blockieren wir ja die Strecke.
Der Start war, wie so viele schon berichteten, es wird gesungen und gewunken. Ein bisschen warmhüpfen mit Musik und Animation, das ist anders als woanders. Der Hubschrauber stieg auf, wurde freudig begrüßt, Herr Minister Tiefensee hat es auch durch die Sperrungen geschafft und so konnten wir pünktlich losgeschickt werden.

Der Lauf

Die ersten Meter ging es steil hinauf. Am Vortag dachte ich noch, hoffentlich laufen wir nicht hier lang. Haha. Aber natürlich. Dann folgten einige Kilometer Asphalt zum Warmlaufen. Ich lief hinter einer Läuferin die ihre Startnummer vom 1. offiziellen Rennsteiglauf auf dem Shirt hinten aufgedruckt trug. 45 Jahre Lauferfahrung, zumindest konnte ich in dem Jahr schon laufen, zum ersten inoffiziellen Lauf war ich gerade geschlüpft.
Die Strecke war trotz erster Kilometer auf der Straße schön. Im Grunde sah man eine bunte Läuferschlange, die sich durch den Wald schlängelte. Und gehört hat man nur wenig Schnaufen, vielmehr war es der Vogelsang, der einen begleitete. Dann ging es auf die Waldwege und ich habe es genossen. Weiche, vom Regen aufbereitete Wege, herrliche Luft, immer wieder so wundervolle Bilder von Sonnenstrahlen, die sich durch das Blätterdach des Waldes den Weg auf den Boden suchten oder wenn sich der Wald öffnete, Weite bei klarer Sicht. Und die Vögel ließen sich weiterhin nicht lumpen.
Es ging hoch und runter, ich orientierte mich an meinem Umfeld, verfielen sie ins Gehen, tat ich das auch und stellte fest, dass die vielen Hunderunden, die ich trotz meiner Langen Langsamen im Training ja am selben Tag gehen musste, mir ein Tempo gaben, dass ich auf diesen Abschnitten sehr viele Läufer einsammelte. Nur einmal wollte ich einfach nicht Gehen, obwohl mein Umfeld das tat. Der Hohlweg. Immer, wenn etwas Platz war, bin ich springend und mit einem Lachen hinunter gelaufen. Im Training war ich hier zwar leicht gestürzt, aber solche Wege sind einfach zum Sausen gemacht. Meine Lauflaune war bestens.

Verpflegung gab es reichlich. Mir fiel auf, mit wieviel Liebe die HelferInnen dabei waren. Zudem kamen immer wieder kleine Stimmungsnester, mal Blasmusik, mal Anfeuerungsrufe und sehr ausdauernde Zuschauer, denen sicher die Hände vom vielen Klatschen schon brannten und die trotzdem eine fröhliche Stimmung verbreiteten. Kurz vor Neustadt bogen wir dann ab, diese Strecke hatte ich im Training nicht gefunden und war den Wanderweg weitergelaufen. Aber das hier gefiel mir wesentlich besser. Bis zum steilen Anstieg am Dreiherrenstein ging es mir sehr gut. Ich fühlte mich gut. Dann kam erst eine lebende Legende, der Leierkastenmann, bevor es in die Steigung ging und ich kaum hinauf kam. War aber okay, denn auf meiner Test-Runde hatte ich das ja bereits erfahren und ließ mich nicht schocken. Weiter gings.
Am Großen Dreiherrenstein (KM 33,8) dachte ich nicht einmal ans Aussteigen, obwohl das ja ursprünglich geplant war. Vielmehr schaute ich auf die Uhr und war überrascht. Na dann also Stempel holen, Tee, ein Foto machen und verschicken, um meine verfrühte Ankunft anzukündigen und ab nach Schmiedefeld. Es lief gut bis zum Kilometer 39. Da begannen heftige Seitenstechen, ich konnte bergab einfach nicht mehr laufen. Ich bedauerte das sehr, ging dann eben vermehrt, ärgerte mich auch ein bisschen, aber nur ein bisschen. Nächstes Jahr komme ich besser vorbereitet. Die heftigen Seitenstechen hielten bis Schmiedefeld. Zum Glück liegt das schönste Ziel der Welt ja nicht bergab, dachte ich, doch dann wurde es der pure Wahnsinn.

Sportplatz die Liebste gesehen

Kein Gedanke an Ausstieg. Foto machen, Tine schicken, damit sie weiß, dass ich früher da bin, Tee trinken, weiter.







Ziel

Beim Einlauf in die letzte Steigung wurde ich mit Namen begrüßt, was für eine Freude, also habe ich allen zugewunken und als die Zuschauer das sahen, bekam ich noch mal richtig einen Energieschub von ihnen verpasst, es war grandios. Danke.
Oben wurde ich von meiner Familie gesichtet und angefeuert und dann war der Blick auf den Zielbogen frei. In dem Moment hatte ich Energie ohne Ende, ich bin ein Marathoni! Ich bin eine Rennsteigläuferin! Es war g… . Ich mag das Wort nicht, aber es war die einzige Beschreibung, die in dem Augenblick krass genug war.

Zieleinlauf

was kann schöner sein?

Abgesang

Rennsteig war herrlichster Wald im Frühling und Vogelsang, Rennsteig war eine entspannte, freundliche Atmosphäre mit vielen Helfern. Rennsteig hieß, immer Läufer um sich haben, auch richtig erfahrene Läufer, um sich als Neuling zu orientieren. Rennsteiglauf war für mich ein Spaß, war die pure Lebensfreude und klar auch anstrengend.

Mein Dank gilt vor allem allen Nicht-Läufern, die den Lauf ermöglichen. Ihr macht da eine richtig gute Sache. Und an die Läufer auch, weil’s mit euch einfach Spaß macht. Stimmung gut, gegenseitige Rücksichtnahme, zweimal lief ich an Gestürzten vorbei, um die sich bereits und sofort jemand kümmerte und trotzdem wurde noch gefragt, ob weitere Hilfe nötig sei.

Ach ja, die Sofortanmeldung für meine Premiere habe ich natürlich schon abgegeben. Bei einer Generalprobe kann es ja nicht bleiben.

Foto 3, 4 und Zieleinlauffotos: Foto-Team Müller

alle anderen von Tine oder mir


nca